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wie auf einer Seite anfangs beschrieben, lernte ich den Geschäftsführer der Frankfurter Tafel früh morgens kennen der bei mir einen Kaffee trank bevor er ins Tafelbüro fuhr....

Ich habe ihn damals angesprochen, dass ich gerne ehrenamtlich ein bisschen bei der Tafel aktiv werden möchte - dies ging dann auch relativ schnell und ich konnte die Beifahrertouren  sehr gut kombinieren mit dem Job in der Tagesstätte.

Nach ein paar Monaten sollte meine Stelle in der Abendküche umgewandelt werden in eine 80% Stelle, was dann für mich das Aus dort bei der Caritas bedeutete. In erster Linie weil ich aus der Kirche ausgetreten war und dann weil ich eben ein Mensch bin, der sagt was er denkt und der eben immer zum Wohl der Bedürftigen gehandelt hat. So folgte wohl oder übel die Trennung des Arbeitsverhältnisses in der Hagenstrasse. Es gab eh öfters Querelen, da ich auch noch bei Lazarus am Affentor noch ehrenamtlich aktiv war bei der Diakonie und das war auch ein Thema was der Caritas nicht behagte.

Aber meine lieben Besucherinnen und Besucher meiner HP in diesem Bereich zu arbeiten mit obdachlosen und suchtkranken Menschen, bedeutet mit Menschen zu arbeiten die es gerade oftmals noch schaffen niederschwellige  Angebote anzunehmen weil sie eben ganz unten angelangt sind und durch sämtliche Raster fallen... Da sollte man auf Religionszugehörigkeit pfeifen - es reicht wenn man sich christlich verhält und Nächstenliebe ausübt, dafür ist weder ein Parteibuch notwendig, noch eine Konfession - Mensch sein ist wichtig und die Würde des Menschen zu respektieren auch wenn Dein Gegenüber nichts mehr zu verlieren hat ! basta ! Das ist meine Meinung und da wird sich nichts daran ändern.

Da ich von Beruf Altenpfleger bin, war es kein großes Problem in der Pflege unterzukommen. Zuerst im Altenheim, wo mir natürlich die ehrenamtliche Aktivität bei der Frankfurter Tafel sehr gelegen kam - durch die guten Kontakte zu einer Bäckerei in der Münchner Strasse kam ich so schon mal an Köstlichkeiten für meine Senioren und durch einen Zufall sah mich einmal Abends die Verkaufsleiterin mit einer Tortenkiste ins Altenheim gehen, wo sie gerade von einem Besuch kam. Wir kamen kurz ins Gespräch und am nächsten Abend in der Bäckerei bei der Tafeltour rief sie mich ins Büro und sagte dass ich mir gerne jeden Abend einen Karton packen lassen darf für meine Senioren und wenn mal ein Fest oder Geburtstag ist, bekomme ich gerne einen ganzen Kuchen gebacken. Das war für mich ein wahrer Erfolg, weil mein Einsatz und Engagement gewürdigt wurde. Dieses Glück hatte ich dann später auch mit dem damaligen Geschäftsführer der Tafel, ich bekam immer diverse Gutscheine für extrem bedürftige Senioren im Heim die Niemanden hatten oder keinen Besuch bekamen - so konnte ich dann im Rewe mit den Gutscheinen mal ein gut duftendes Rasierwasser oder nettes eau de Cologne für Herren / Damen kaufen oder anderweitige Kleinigkeiten um den Alltag etwas zu verschönern, ich habe immer alles für meine Senioren genutzt und mich nie an diesen Gutscheinen selbst bereichert - darauf bin ich heute noch stolz.

Später bin ich aus der Heimpflege ausgestiegen und habe dann nur noch Pflege zu Hause gemacht, habe mir da aber ganz bewusst nur Patienten ausgesucht mit einer kleinen Rente, die sich so nie eine Pflege zu Hause hätten leisten können. Da hatte ich auch wieder über die Tafel und dem Geschäftsführer das Glück dass ich immer mal an Hygieneartikel oder Cremes und Salben gekommen bin von einer Einrichtung die solche Materialien getestet haben in der Nähe vom Westbahnhof. Für meine sozial schwachen Senioren kamen diese Artikel immer gelegen, denn ich war bei vielem auf Spenden angewiesen  ich konnte nicht abrechnen wie ein Pflegedienst, weil ich keine Firma hatte - ich konnte nur abrechnen mit der kleinen Pflegegeldlösung in der häuslichen Pflege und entsprechend wenig blieb dann auch für mich übrig,  ich zahlte meine Beiträge und Krankenkasse davon und viel mehr als zum Leben blieb nicht übrig, da ich teilweise vom Pflegegeld noch in die Versorgung mit Lebensmittel aus meiner Tasche hineinbutterte. Es bedeutete für mich dann selbst wieder fast am Minimum zu leben, aber ich war glücklich ohne Luxus, denn ich hatte dankbare und liebe Patienten die vom Leben oft vergessen worden sind aber nun wo es ans Ende des Lebens ging hatten sie noch eine schöne Zeit- schöne ZEIT IST GUT GESAGT - es war eine Zeit, in der einmal ausnahmslos an sie gedacht wurde. Für jeden Tag den ich diese Arbeit geleistet habe auch in der Palliativpflege bin ich dankbar, denn ich kann auf eine erfüllte Arbeit zurückblicken, auf Patienten die friedlich in Ruhe ohne Schmerzen eingeschlafen sind, aber nicht alleine irgendwo vergessen in einer Abstellkammer o.ä. - nein zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung, wo sie entscheiden durften wer zu Besuch kommen darf und wer nicht, ihre Wünsche und Bedürfnisse konnten sie offen aussprechen und diese wurden respektiert und umgesetzt soweit es machbar war. Auch gerade durch die Tafel hatte ich in dieser Zeit sehr viel Unterstützung mit Salben von dieser Testfirma am Westbahnhof. Salben die sie nie im Leben hätten bezahlen können, die auch keine Krankenkassen mehr übernommen haben, obwohl diese geholfen hatten.

So habe ich es dank der Frankfurter Tafel geschafft, von ganz unten wieder Boden unter die Füße zu bekommen, denn das Leben hat es auch nicht immer gut mit mir gemeint. Wenn mann es richtig erklären möchte, müsste man sagen, die Frankfurter Tafel hat mich wieder zurück ins Leben begleitet und es ist doch etwas schönes, wenn man egal ob nun einer Person oder einer Institution so etwas nachsagen kann.

Gerade deshalb denke ich immer gerne an die Frankfurter Tafel zurück. In diesen acht Jahren, die ich aktiv war habe ich manchmal täglich inkl. Samstags meine Kraft zur Verfügung gestellt, von denen ich nicht eine Stunde bereue und ich selbst habe mich nie an Lebensmittel oder anderen Artikeln bereichert, was ich auch nie bereut habe und heute noch stolz darauf bin.

So z.B. bekam ich einmal über die Tafel 250 Tafeln Jogurette Schokolade in Erdbeer für meine Senioren und auch für Senioren im Altenheim da ich auch neben der Tafel und neben meiner pflegerischen Tätigkeit im Riederwald immer noch Patienten im Johanna Kirchner Heim im Gallus hatte, mit ihnen mal gekocht habe, oder Obstsalate etc. gemacht habe , Marmeladen gekocht habe - das Material auch freundlicherweise von der Tafel bekam. Ja, da erlebte ich einen Hammer, der einem selten zuteil wird. Das machte diese Joghurette Schokolade. Beim Verteilen der Tafel saß ich bei den Senioren und eine Dame biss in die Schokolade ( wohlgemerkt sie litt an Demenz und keiner wusste von ihrer Vergangenheit ausser dass sie in Saalfeld geboren wurde und einen großen Teil ihres Lebens dort verbrachte ) durch das Essen der Schokolade wurde sie gesprächig , aber wie , sprach vom Onkel Ernst der ihr immer Schokolade nach Feierabend geschenkt habe wenn sie ihn im Werk abgeholt hatte. An diesem Abend nahm ich mir besonders viel Zeit für diese Dame, machte meine Notizen. Noch am späten Abend zu Hause durchforstete ich das Internet nach einer Schokoladenfabrik in Saalfeld und würde tatsächlich fündig was mich animierte näheres zu erfahren - so schrieb ich diese Firma an die sich Thürina Schokolade nannte. Ein neuerer Name, egal ich schrieb diese Firma an erläuterte ihnen die Situation mit diesem Onkel Ernst und abholen am Werk. Ich fragte an, ob sie evtl. alte Fotos oder so etwas hätten von früher so um die 1910 - 1915 herum. Es dauert nicht lange ich bekam einen riesigen Umschlag vom Geschäftsführer dieser Schokoladenfirma zugesandt,  das ganze beinhaltete neben diversen Tafeln Schokoladen, u.a. auch Waldbaur Schokolade etc. 5 große Fotografien DIN A 3 vom alten Werk mit sämtlichen Eingängen und einem sehr lieben Begleitschreiben. Gleich am nächsten Tag besuchte ich die Dame im Heim und hängte ihr diese Fotos auf an der Zimmerwand und was dann geschah, das war herzzerreissend, sie begann zu erzählen wieder vom Onkel Ernst und zeigte mir die Treppe wo sie immer gewartet hat. Sie weinte still vor sich hin und du merktest in diesem Moment ist sehr viel in ihr passiert. Dieser Geschäfsführer blieb aber auch nicht untätig und wegen dem Namen besser gesagt Vornamen Ernst wurde er fündig durch Recherchen aus der gesamten Firmenpolitik. Dieser Onkel Ernst hatte eine führende Position, heute würde man das Prokurist nennen. Jetzt haben wir alte Fotos vom inneren  des Werkes mit Personen vergrößert, wo auch dieser Ernst drauf war wir wussten wo er war auf einem Bild mit vier Personen. Diese Fotografien schickte er mit sehr professionell vergrößert per Mail in Schwarz - weiß was ich ausdruckte. Sofort zeigte sie auf den richtigen und die Ähnlichkeit mit ihr, die war nicht zu übersehen. Mit diesem Bild, was ich hinter Glas eingerahmt hatte ging sie von nun an ins Bett, immer das Bild dabei auch wenn es mit dem Rollator zum Essen ging, war dieser Ernst anwesend selbst vor dem  Toilettengang machte sie keinen Halt ihn dabei haben zu wollen. Was kann man eigentlich schöneres erleben, wenn man mit Demenzkranken arbeitet . ??? Ich glaube nichts. Auch das ist nur möglich geworden durch diese großzügige Joghurte Schokolade Spende, ohne diese hätte ich nie diesem wunderbaren Ereignis beiwohnen dürfen und können, auch hierfür heute noch ein Dankeschön an die Frankfurter Tafel, auch wieder eine Situation auf die ich heute noch stolz bin und die Schokolade damals dort hingebracht habe wo sie hingeghörte, nämlich zu den Bedürftigen.

2011 habe ich mich dann von der Tafel getrennt, da meine Arbeit in der Pflege immer umfangreicher wurde, so gingen leider auch viele Freundschaften kaputt, aber ich glaube echte ehrliche Freundschaften waren das dann auch nicht, denn einige sind auch hängen geblieben und existieren auch heute noch, obwohl ich schon seit 2012 nicht mehr in Frankfurt lebe treffe ich mich immer noch mit einigen Freunden von früher und auch noch mit Freunden die ich bei der Tafel fand.

Daniel - Thomas Müller

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